Aktuelles aus der Redaktion
Viele Köpfe für Interessen der Region   • CDU sieht Belange des Cuxlandes bestens vertreten
BEDERKESA   sh   ·   Zwei   Landtagsabgeordnete,   ein   Bundestagsmitglied   und   in   Straßburg einen    ehemaligen    Ministerpräsidenten    in    Sachen    Eu­ropa    -    der    Parlamentarische Staatssekretär   Enak   Ferlemann   sieht   die   Interessen   der   Cuxländer   bestens   vertreten. Dazu   kämen   Kai   Seefried   als   Generalsekretär   der   niedersächsischen   CDU   und   Helmut Dammann-Tamke    als    stellvertretender    Vorsitzender    der    CDU-Landtagsfraktion    und Sprecher der Landwirtschaft, „so dass der Elbe-Weser-Raum brillant vertreten ist“. Im    Jahresrück-    und    Ausblick    zeigte    sich    Ferlemann,    der    zusammen    mit    dem Europaabgeordneten   David   McAllister   und   dem   Landtagsabgeordneten   Lasse   Weritz   nach Bederkesa   eingeladen   hatte,   auch   selbstkritisch.   Besonders   das   Landtagswahlergebnis sei    nicht    wunschgemäß    ausgefallen.    „Da    haben    wir    mit    einem    besseren    Ergebnis gerechnet.     Wir     sind     aber     lucky     Looser.“     In     der     großen     Koalition     sei     man gleichberechtigter   Partner   und   stelle   genauso   viele   Minister   wie   die   SPD.   Und   bei   der Bundestagswahl    habe    das    Cuxland    gegen    den    bundesweiten    Trend    der    CDU    einen Stimmenzuwachs beschert. Beim   Ausblick    auf    das    Jahr    2018    stehen    für    Ferlemann    die    Infrastruktur    und    die Kommunen    im    Mittelpunkt.    „Die    A    20    und    die    Schiene    werden    uns    besondere Aufmerksamkeit   erhalten.“   Gerade   was   die   Schiene   angeht   bestehe   Handlungsbedarf. Hier   sei   vor   allem   der   Schutz   vor   Unwetterschäden   und   die   Vermeidung   von   Ausfällen von    Verbindungen    gemeint.    „Die    Strecke    Cuxhaven-Stade    ist    bereits    in    einem Modellversuch   für   Erhaltungsschnitte   im   V-Schnitt.“   Auch   zur   Frage   der   Fährverbindung Cuxhaven-Brunsbüttel   hat   die   CDU   klare   Vorstellungen.   „Die   wollen   wir,   aber   nur   unter wirtschaftlich    erfolgsversprechenden    Voraussetzungen.“    Dazu    gehöre    eine    maximale Umschlagszeit   von   60   Minuten   und   eine   professionelle   Geschäftsführung.   Dann   könne die   „Hardware“   öffentlich   gefördert   werden,   der   Betrieb   müsse   aber   ausschließlich privat geschehen. „Jetzt ist das Geld da, um die Infrastruktur für die nächsten 25 Jahre    fit   zu   machen.“   Trotzdem,   da   war   sich   Ferlemann   mit   dem   Landtagsabgeordneten   Lasse   Weritz   einig,   „darf   bei   vollen   Kassen   nicht   jedes   seit   Jahren aufgeschobene Projekt nun sofort umgesetzt werden“. Bei   den   Kommunen   will   die   CDU   den   Landkreis   in   die   finanzielle   Verantwortung   nehmen.   „Die   Überschüsse   des   Kreishaushaltes   sollten   zu   50   Prozent   an   die Kommunen   zurückgehen.“   Damit   könnten   gerade   im   Bereich   Kitas,   Kindergärten   und   Schulen   den   Kommunen   eine   Entlastung   gegeben   werden.   Und   bei   dem Ausbau   der   Breitbandverbindungen   verwies   Lasse   Weritz   auf   den   Landtag.   „Neben   dem   Erhalt   der   Förderschulen   ist   die   Digitalisierung   ein   zentraler   Punkt   der Landespolitik,   der   die   Handschrift   der   CDU   trägt.“   Dass   hier   auch   Gefahren   für   die   Gemeinden   liegen,   ist   den   Politikern   klar.   „Der   digitale   Einzelhandel   wird weiter   stark   wachsen.   Das   bedeutet   für   den   bisherigen   Einzelhandel   unter   Umständen   das Aus.“   Die   Suche   nach   einem   Konzept   gegen   sterbende   Einkaufszonen sei eine zentrale Frage für 2018. Auch   Europafragen   standen   auf   der Agenda   in   Bederkesa.   So   auch   die   Frage,   welche Auswirkungen   der   Brexit   auf   die   Fischerei   haben   wird.   Hier   machte   David McAllister   deutlich,   „dass   der   Zugang   für   die   Briten   zum   EU-Binnenmarkt   nur   mit   Zugangsrechten   zu   den   britischen   Fischfanggebieten“   möglich   sei.   Und   bei der Frage, welches Europa gewollt sei, hat McAllister eine klare Meinung. Europa müsse „weniger, aber effizienter“ auftreten.
Günter Grass im spannenden Literaturgespräch • Hörfunk-Journalisten bringen Publikum den Autor mit Originaltönen nahe
Stellten    für    das    Cuxland    eine    positive    Bilanz    2017    und    einen anspruchsvollen    Ausblick     auf     2018     vor:     David     McAllister,     Enak Ferlemann und Lasse Weritz (v.l.) Foto: sh
CUXHAVEN   tw   ·   Sie   waren   die   Literaten   seiner   Jugendzeit   -   Gottfried   Benn   und   Bertold Brecht.   „Doch   ich   kann   nicht   sagen,   dass   sie   mich   hauptsächlich   beeinflusst   haben   wie Ringelnatz.   Der   merkwürdig   melancholische   Humor,   der   seinen   Gedichten   unterliegt   hat mich   beeinflusst“,   so   Günter   Grass   in   einem   Gespräch   mit   den   Radio-Bremen-Journalisten Michael Augustin und Walter Weber. Eine   Melancholie   und   Selbst-ironie   wie   sie   im   ganzen   Werk   des   Literaturnobelpreisträgers   zu spüren   sei,   wie   die   beiden   am   Donnerstag   bei   der   Veranstaltung   „Sprechen   wir   mal   über Gedichte…    Ein    Besuch    bei    Günter    Grass“    deutlich    machten.    In    einer    Collage    aus Erinnerungen   und   Originaltonaufnahmen   brachten   sie   in   dem   Literaturgespräch   „Sprechen wir   über   Gedichte“   dem   Publikum   Günter   Grass   nahe,   „ein   ganz   besonderer   Mensch,   mit vielen verschiedenen Facetten“. Vier   Monate   vor   seinem   Tod   hatten   die   beiden   den   Autor   in   seinem   Haus   im   schleswig- holsteinischen    Behlendorf    besucht    und    mit    ihm    über    seine    Gedichte,    die    Poesie    im Allgemeinen   und   seine   Lieblingsdichter   gesprochen.   Dichter   wie   Gottfried   Benn,   Berthold Brecht,   Paul   Celan   oder   Ingeborg   Bachmann,   die   Augustin   und   Weber   am   Donnerstag   durch Originaltonaufnahmen   zum   Leben   erweckten,   ebenso   wie   Günter   Grass   selbst,   etwa   mit   dem Anfang   der   „Blechtrommel“.   Ihm   zuzuhören   habe   immer   Spaß   gemacht,   da   er   oft   ins Ostpreußische verfallen sei, so Augustin. Die   Veranstaltung   fand   im   Rahmen   der Ausstellung   „Plaudernde   Fundsachsen   -Günter   Grass: Dichter,   Maler,   Bildhauer“   im   Ringelnatz-Museum   statt,   die   noch   bis   zum   1.   April   zu   sehen ist.   Eine Ausstellung,   die   im Austausch   mit   dem   Günter-Grass-Haus   in   Lübeck   stattfindet,   das seinerseits   Werke   von   Ringelnatz   aus   Cuxhaven   zeigt.   „Und   was   lag   da   näher,   die   beiden Herren einzuladen, und über ihren Abend mit Günter Grass zu plaudern“, so Erika Fischer,    Leiterin   des   Ringelnatzmuseums.   Und   die   beiden   kamen   gerne.   Denn   es   war   nicht   ihr   erster   Auftritt   in   Cuxhaven.   Vor   zwei   Jahren   hielten   sie   einen   Vortrag   über Ringelnatz mit Originaltönen seiner Weggefährten. „Für uns ein schönes Erlebnis“. Ein   besonderes   Erlebnis   sei   auch   immer   die   Begegnung   mit   Günter   Grass   gewesen.   Ein   Multitalent,   das   mit   einer   Steinmetzlehre   begann,   Malerei   studierte   und   erst dann   zur   Schriftstellerei   fand.   Zeichnen   zwinge   einen   genau   hinzuschauen,   bevor   das   Gesehene   zu   Papier   gebracht   wird,   so   Grass,   was   er   „nutzbringend   auch   beim Schreiben   einsetzt“.   Weber   und Augustin   zeigten   auch   auf,   dass   „sein   geschriebenes   Wort   als   Signatur   seine   Zeichnungen   brauchte“.   Seine   Bücher   so   gleichzeitig   auch Kunstbücher   waren,   wie   schon   in   seiner   ersten   Buchveröffentlichung   „Die   Vorzüge   der   Windhühner“   zu   sehen.   Kurz   danach   erschien   1959   mit   „Die   Blechtrommel“   sein erster   Roman.   Eine   Zeit,   in   der   Literatur   noch   provozieren   konnte,   so Augustin.   So   sollte   Grass   für   die   Blechtrommel   den   Bremer   Literaturpreis   verliehen   bekommen. Doch der Bremer Senat intervenierte mit dem Argument, „das ist doch Pornografie“. „Eine Steilvorlage für die Presse, über die die ganze Welt lachte“, so Augustin.  Unterhaltsam   entfalteten Augustin   und   Weber   vor   ihrem   Publikum   Grass‘   Werk.      Gingen   auch   auf   seine   Wahlunterstützung   für   Willi   Brandt   ein,   seine   Freundschaft   zu Siegfried   Lenz   und   Peter   Rühmkorf.   Zum   Abschluss   hatten   sie   ein   kleines   Highlight   dabei.   Ein   Gedicht   aus   Grass   letztem   2015   posthum   erschienenen   Werk   „Vonne Endlichkait“,   das   Grass   ihnen   bei   ihrem   letzten   Gespräch   nach   langem   Zögern   vorgetragen   hatte.   „Für   uns   unglaublich“,   so Augustin   und   Weber,   ist   es   doch   die   einzige Tonaufnahme aus diesem Buch.
Sprachen   über   Günter   Grass   und   seine   Gedichte:   Michael   Augustin   und Walter Weber   Foto: tw